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Die optimale Qualifikation

  • Autorenbild: Christian Krknjak
    Christian Krknjak
  • 24. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Es war einmal die technische Zeichnerin. Sie konnte zeichnen. Sie kannte die Normen. Sie erledigte ihre Arbeit mit einer Präzision, die niemanden erstaunte, weil man sie einfach voraussetzte. Dann verschwand sie – still, geräuschlos, wie Berufe verschwinden, wenn die Zeit über sie hinweggeht.


An ihre Stelle trat der Ingenieur.




Nicht weil die Arbeit komplexer geworden wäre. Nicht weil SAP-Stücklisten plötzlich einen akademischen Abschluss verlangen. Sondern weil das Unternehmen Ingenieure beschäftigt. Was diese dann tun, ist eine nachgelagerte Frage – und wird, so die gängige Praxis, nachgelagert auch nicht mehr gestellt.


Der Ingenieur sitzt also da. Er füllt aus. Er pflegt. Er verwaltet. Er bringt dabei, das sei fairerweise erwähnt, durchaus Qualitäten mit, die über das reine Fachliche hinausgehen – so jedenfalls lautet das Argument, das in Personalabteilungen gerne vorgetragen wird, wenn jemand fragt, warum man für diese Tätigkeit fünf Jahre studiert haben muss. Es ist ein charmantes Argument. Es klingt nach Weitblick. Es riecht nach Rationalisierung.


Was niemand laut ausspricht – und was man den Studierenden im dritten Semester mit an die Hand geben könnte, zwischen Thermodynamik und Werkstoffkunde – ist folgendes: Ein beachtlicher Teil von euch wird das erworbene Wissen später so selten anwenden wie der Schwabe den Konjunktiv. Ihr werdet in Systemen arbeiten, die euch brauchen, aber nicht fordern. Die euch beschäftigen, aber nicht entfalten. Die eure Qualifikation schätzen – auf dem Papier, beim Recruiting, in der Außendarstellung – und sie dann, im Alltag, weitgehend ungenutzt lassen.


Das Studium war trotzdem nicht umsonst. Man lernt dort Dinge, die anderswo nicht gelehrt werden: Durchhalten. Komplexität aushalten. Und – vielleicht das Wichtigste – das stille Akzeptieren von Zuständen, die man nicht ändern kann.


Eine Qualifikation, die im späteren Berufslebentäglich zum Einsatz kommt.Nur eben nicht die, für die man fünf Jahre studiert hat.

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