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Der ideale Patient

  • Autorenbild: Christian Krknjak
    Christian Krknjak
  • 1. Juni
  • 1 Min. Lesezeit

Ich war, das muss ich zugeben, ein schwieriger Patient. Ich wollte gesund werden.

Das klingt bescheiden. Geradezu anspruchslos. Und doch – so muss ich nach Jahren als Konsument des Gesundheitssystems feststellen – ist es eine Erwartungshaltung von geradezu naiver Kühnheit.



Es gibt Ärzte, die einen loswerden wollen. Nicht aus Gleichgültigkeit – nein, das wäre unfair. Eher aus einer Art medizinischer Lebensphilosophie: Der Patient wurde gesehen, er wurde behandelt, er existiert weiterhin – was will er noch? Termine werden knapper. Dann seltener. Dann gar nicht mehr. Man wird hinausdiplomiert mit einer Freundlichkeit, die jeden Widerspruch im Keim erstickt. Ob man gesund ist, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Man ist jedenfalls entlassen.


Andere Ärzte verfolgen den gegenteiligen Ansatz. Sie behalten den Patienten. Mit Fürsorge, Folgeterminen und einer Behandlungskette, die den Menschen in einem angenehmen Zustand der Abhängigkeit hält. Dass dies zufällig auch das Einkommen sichert, ist selbstverständlich reiner Nebeneffekt.


Ich hingegen stehe morgens auf – und denke nicht darüber nach, was ich heute haben könnte. Ich denke darüber nach, was ich erreichen möchte. Gesundheit wäre dabei ein guter Anfang.


Leider ist dieser Ansatz im Gesundheitssystem nicht vorgesehen. Es gibt Kürzel für Diagnosen, Ziffern für Leistungen, Leitlinien für Behandlungen.


Einen Code für „Patient möchte wieder gesund sein" – den habe ich bislang nicht gefunden. Vermutlich wurde er nie angelegt.

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