Was bleibt
- Christian Krknjak
- 5. Juli
- 2 Min. Lesezeit
Es gibt eine bestimmte Art von Verlust, für die die Sprache kein gutes Wort hat.
Nicht den plötzlichen. Nicht den, der mit einem Datum versehen ist, einem Ereignis, einer Nachricht, die man später als Wendepunkt benennen kann. Sondern den schleichenden. Den, der sich über Monate und Jahre vollzieht, leise, fast unhörbar – bis man eines Tages feststellt, dass etwas fehlt, das einmal selbstverständlich war.
Ich möchte mein altes Leben zurück.

Einen Satz, der so einfach klingt und so schwer wiegt. Das Leben vor dem Unfall. Den Körper, der einfach funktionierte, ohne dass man ihm täglich Aufmerksamkeit schenken musste, ohne Morgenrituale aus Dehnung und Vorsicht, ohne die stille innere Schadensmeldung beim Aufwachen. Einen Körper, den man vergessen konnte – weil er keinen Anlass gab, an ihn zu denken.
Und die Freunde. Jene Menschen, mit denen man Dinge getan hat, die man heute nicht mehr tut. Die irgendwann aufgehört haben zu fragen, weil die Antwort zu oft *„geht leider nicht"* war. Die nicht verschwunden sind aus Gleichgültigkeit – sondern weil das Leben weiterging. Ihres. Und meines nicht mehr in dieselbe Richtung.
Man nennt das Auseinanderleben. Als wäre es ein natürlicher Vorgang. Als wäre es gewählt.
Es war nicht gewählt.
Das Schwierige an dieser Art von Trauer ist ihre Konturlosigkeit. Man trauert nicht um einen Menschen, den man begraben hat. Man trauert um eine Version des eigenen Lebens, die noch irgendwo existiert – in Erinnerungen, in alten Fotos, in dem merkwürdigen Schmerz, wenn man an etwas erinnert wird, das einmal selbstverständlich war.
Und dann kommt der Moment, in dem man versteht: Es kommt nicht zurück. Nicht das Leben. Nicht die Freunde. Nicht der Körper von damals. Die Illusionen, an denen man festgehalten hat – weil Loslassen sich anfühlte wie Verrat – sie halten nicht stand gegen die Realität, die sich täglich neu beweist.
Was bleibt, ist die Trauer.
Und vielleicht – irgendwann, ohne dass man sagen könnte wann – auch die stille Erkenntnis, dass das, was geblieben ist, noch nicht alles ist, was noch kommt.
*Aber das ist kein Trost für heute.*
*Heute darf es wehtun.*
*Das ist kein Fehler.*
*Das ist Menschsein.*





