Kunstkritik unter Palmen
- Christian Krknjak
- 30. Mai
- 1 Min. Lesezeit
Es gibt Menschen, die Feedback geben. Und es gibt Menschen, deren Feedback einen im klimatisierten Café schwitzen lässt.

Meine Freundin gehört zur zweiten Kategorie. Sie hat, von Italien aus – wohin sie gezogen ist, um in inspirierender Umgebung zu malen und das bella vita in vollen Zügen zu genießen – meine letzten Werke kommentiert. Mit der Präzision einer Frau, die weiß, wovon sie spricht. Und mit der Herzlichkeit einer Frau, die mich trotzdem noch mag.
Beides gleichzeitig ist eine seltene Gabe.
Ich saß also im Café, Cappuccino vor mir, und las. Und während draußen das Leben seinen gewohnten Gang ging, vollzog sich in meinem Inneren jener eigentümliche Vorgang, den Künstler kennen und fürchten: die Erkenntnis. Nicht die angenehme Art, bei der man sich bestätigt fühlt. Die andere.
Was sagt das über mich aus?
Nun. Es sagt, dass ich eine Freundin habe, die mich ernst nimmt. Das ist, bei Licht betrachtet, das Schönste, was einem Künstler passieren kann – und das Unbequemste.
Wer nur gelobt werden möchte, braucht keine Freundin in Italien.
Der braucht einen Spiegel, der schmeichelt. Und die gibt es. Aber die malen nicht.


