Mein Café
- Christian Krknjak
- 30. Mai
- 1 Min. Lesezeit
Es gibt Orte, die man aufsucht, weil man muss. Und Orte, die man aufsucht, weil man sonst nirgendwo sonst hingehen würde. Mein Café gehört zur zweiten Kategorie – und ist, soweit ich das beurteilen kann, auch das einzige seiner Art am Ort, was die Entscheidung erheblich vereinfacht.
Die Chefin freut sich, wenn ich komme. Das klingt selbstverständlich, ist es aber nicht. In einer Zeit, in der Servicepersonal den Gast bestenfalls toleriert und schlimmstenfalls offen ignoriert, ist echte Freude über den Stammgast ein Kulturgut, das unter Naturschutz gestellt werden müsste.
Ich tue meinen Teil. Ich komme. Regelmäßig. Verlässlich. Mit einer Treue, die ich in anderen Lebensbereichen gerne hätte.
Der einzige Schatten über diesem Idyll ist finanzieller Natur. Denn was die Seele nährt, leert bekanntlich den Geldbeutel – und mein Geldbeutel führt dieser Tage das Leben eines chronisch Unterernährten. Er weiß, wohin das Geld geht. Er schweigt. Aber er wird dünner.
Man könnte jetzt rechnen. Besuche pro Monat, Preis pro Tasse, Opportunitätskosten. Man könnte Vernunft walten lassen.
Aber dann säße ich zuhause. Mit vollem Geldbeutel. Und schlechter Laune. Und das, so habe ich festgestellt, ist die deutlich teurere Variante.



